Geschichtlicher Abriss der Entwicklung von Handspindeln und des Spinnens

unter besonderer Berücksichtigung von Material, Länge, Durchmesser und ähnlichen technischen Merkmalen

 

Epoche

 

Nachweis

Altsteinzeit, 27.000-25.000 v. Chr.

 

Abdrücke von Geweben aus Pflanzenfasern werden in Lehmfragmenten bei den Pawlow-Hügeln im heutigen Tschechien gefunden.[1] Man weiß natürlich weder, ob die Fäden überhaupt spindelgesponnen waren (oder mit der Hand verdrillt) und falls doch, mit welcher Art von Spindel.


15.000 v. Chr.

 

erster Fund einer erhaltenen Textile, nämlich einer Kordel (3*2fach-Zwirn) aus Pflanzenfasern [2]


Mittlere Steinzeit, 6.000 v. Chr.

 

Funde von flachen, runde, durchbohrten Steinen, die wohl Wirtel darstellen, in der Ägäis [3]


Jungsteinzeit, 3.300 v. Chr.

 

Darstellung einer Kopfspindel auf einem Zylindersiegel, gefunden bei Choga Mish im Iran [4]


3.000 v. Chr.

 

Fund einer Spindel mit Wirtel aus Geweih und hölzernem Schaft bei Meilen-Rohrenhaab in der Schweiz [5]


Jungsteinzeit

 

Fund einer Spindel mit sechzackigem Wirtel aus Ton und hölzernem Schaft in der Schweiz [6] 


Kupferzeit, etwa 2.500 v. Chr.

 

Funde von 8.000-10.000 Wirteln aus gebranntem Ton in der Ausgrabung von Troja, aber nur 2 Spindelschäfte oder Teile davon werden ausgegraben, einer davon aus verkohltem Holz [7]


Kupferzeit, etwa 2.500 v. Chr.

 

Fund zweier Kupferspindeln (Kopfspindeln) mit Haken am oberen Ende bei Kish in Mesopatamien.[8] Kupferschaft 28,5cm lang, 3mm dick. Flacher, untertassenförmig aufgebogener Kupferwirtel mit 4,1cm Durchmesser


etwa 2.500 v. Chr.

 

Fund einer Kopfspindel mit Kupferschaft von etwa 15cm bei Hissar (nördlicher Iran) mit zwei (!) aufgeschobenen Wirteln aus Ton (?) [9]


Frühe Bronzezeit, etwa 2.500 v. Chr.

 

Fund einer Silberspindel bei Alaca Höyük (Zentraltürkei). Der flache Wirtel aus Silber mit Durchmesser von etwa 5cm sitzt etwa in der Mitte des Schaftes, der 15cm lange Schaft ist ebenfalls aus Silber, und oben mit einem goldenen halbkugelförmigen Köpfchen versehen (statt eines Hakens). Zahlreiche ganz ähnliche Spindeln aus gegossener Bronze, Silber oder Gold/Silberlegierung (Elektrum) wurden danach in Anatolien entdeckt.[10]


etwa 2.000 v. Chr.

 

Darstellungen vom Spinnen und Zwirnen mit Kopfspindeln in altägyptischen Gräbern des Mittleren Reiches (11.-12. Dynastie) [11]


Späte Bronzezeit, etwa 1.500 v. Chr.

 

Funde von kleinen Spindeln aus Elfenbein und Knochen in der ganzen Levante (war offenbar der Modehit), ausgegraben z.B. in Megiddo (nördliches Israel). Die Schäfte bestehen aus 2 Teilen, die mit Schnitzereien verziert werden, und der Wirtel besteht ebenfalls aus zwei aufgewölbten Teilen, die an den flachen Seiten zusammengesetzt werden (nur schmaler Durchmesser). Ein Metallstift setzt die 4 Teile zusammen.[12] Ähnliches wurde auch bei Hama (Syrien) – Schäfte zwischen 21 und 25cm lang – oder bei Enkomi auf Zypern gefunden, 2-4 sogar in Griechenland (Peratí in Attika). Zum Teil wurden diese teuren Spindeln durch tönerne „Raubkopien“ nachgeahmt, gefunden bei Venous auf Zypern. Es scheint sich um Fußspindeln gehandelt zu haben.


etwa 1.500 v. Chr.

 

Fund einer Kopfspindel aus der 18. Dynastie mit Holzschaft und Tonwirtel [13]


Späte Bronzezeit, etwa 1.000 v. Chr. Fund einer Kopfspindel aus Bronze bei Marlik (westlich von Teheran). [14] Schaft 26cm, Gesamtgewicht 50 Gramm
Bronze- oder Eisenzeit

 

Funde von 2,5-5cm langen bronzenen Haken für Spindelschäfte auf Kreta und auf Olynthos (Griechenland). Sie bestehen aus Kappen, die über das Ende des Schaftes einer Fußspindel gesteckt werden (Nachweis: Malereien in der Akropolis) und einem gebogenen Haken am anderen Ende.[15]


500-400 v.Chr.

 

Fund eines Spindelschaftes aus Knochen bei Tofting in Holstein


ab etwa 1200 n.Chr.

 

Auftauchen des Spindelrads in Europa, weitere Entwicklung siehe mein Buch


[1] Robert A. Esser: Spinnen und Weben. Gesammelte, historisch gesicherte Daten. Bad Münstereifel 1999, S. 16 (nach Zeitungs- und Zeitschriftenmeldungen 1995)

[2] Elizabeth W. Barber: Prehistoric textiles. Princeton 1991, S. 40

[3] Elizabeth W. Barber: Prehistoric textiles. Princeton 1991, S. 54

[4] Elizabeth W. Barber: Prehistoric textiles. Princeton 1991, S. 56

[5] Elizabeth W. Barber: Prehistoric textiles. Princeton 1991, S. 55

[6] Elizabeth W. Barber: Prehistoric textiles. Princeton 1991, S. 55

[7] Elizabeth W. Barber: Prehistoric textiles. Princeton 1991, S. 54

[8] Elizabeth W. Barber: Prehistoric textiles. Princeton 1991, S. 57-58

[9] Elizabeth W. Barber: Prehistoric textiles. Princeton 1991, S. 57-58

[10] Elizabeth W. Barber: Prehistoric textiles. Princeton 1991, S. 60-61

[11] Elizabeth W. Barber: Prehistoric textiles. Princeton 1991, S. 44-46

[12] Elizabeth W. Barber: Prehistoric textiles. Princeton 1991, S. 62

[13] Elizabeth W. Barber: Prehistoric textiles. Princeton 1991, S. 46

[14] Elizabeth W. Barber: Prehistoric textiles. Princeton 1991, S. 58-59

[15] Elizabeth W. Barber: Prehistoric textiles. Princeton 1991, S. 68-69